Muchtar Al Ghusain, SPD/Grüne

Muchtar Al Ghusain, SPD/Grüne

I. LIEGENSCHAFTEN & PROJEKTE

1. Mainfrankentheater:

Halten Sie folgendes Gedankenspiel für Unsinn oder für bedenkenswert ?
Neubau des Stadttheaters für 60 Mio auf dem Faulhaberplatz (mit höherer staatlicher Förderung als bei Sanierung), (Teil)erhalt Mozartschule, Abriss des „alten“ Theaters nach erfolgtem Neubau (Übergangsspielstätte = „altes“ Theater), dort dann evtl. Errichtung eines Einkaufszentrums ?

Leider Unsinn. Der Faulhaber-Platz ist viel zu klein für ein Theater. Nur in der Verbindung mit dem Mozart-Areal ist das rein rechnerisch darstellbar. Die Wespentaille beider Grundstücksteile spricht jedoch dagegen. Diese Idee kollidiert weiter mit den Höhenentwicklungen, die für einen Bühnenturm erforderlich sind und die zugleich mit den Anforderungen der UNESCO an das Weltkulturerbe Residenz unvereinbar sind. Eine Versenkung im Boden ist auch nicht möglich wegen der Grundwassersituation und der vermutlich vorhandenen Bodendenkmäler. Außerdem: ein Neubau wird durch FAG-Förderung (Finanzausgleichgesetz des Freistaates Bayern) nicht höher gefördert wie eine Generalsanierung. Eine Schätzung über 60 Mio. EUR ist spekulativ und durch keine Planungen unterlegt, daher kein belastbarer Kostendeckel.

2. Mozart Areal:
a. Alle plädieren derzeit für einen Teilerhalt des Mozartareals.
Welche Teile sollen erhalten werden und welche Nutzung favorisieren Sie ?

Ich plädiere für einen Teilerhalt der Schule aus mehreren Gründen:
Erstens verdient auch die Architektur der Wiederaufbauzeit der 1950er Jahre dauerhaft im Stadtbild sichtbar zu bleiben. Beispielhaft an diesem Gebäude. Zweitens führt die zunehmende Ökonomisierung des öffentlichen Raums zu einer Verödung unserer Innenstädte. Nur die Mischung von öffentlichen Bereichen für Bildung, Freizeit und Kultur mit denen für Einzelhandel und Dienstleistung ist in der Lage eine lebendige und dynamische Innenstadt zu erhalten bzw. zu entwickeln. Ich möchte keine Polarisierung im Sinne von Kultur oder Kommerz, sondern eine vertretbare und verträgliche Lösung, die beides zulässt:
Hofstraße: Begegnung, Tourismus, Kultur
Maxstraße: Hotel, Wohnen
Kard. Faulhaber-Platz: Einzelhandel


b. Das Gebäude der ehem. Mozartschule wird voll genutzt. Wie und wohin kann man diese Nutzung auslagern?

Für das Siebold-Gymnasium wird ein Anbau auf dem schuleigenen Grundstück angestrebt.
Für die private Wirtschaftschule Mainbildung ist die Stadt nicht verantwortlich. Ich würde der Schule gerne bei der Vermittlung anderer geeigneter (auch städtischer) Räume helfen.
Das Kino Central plant derzeit selber einen Umzug.
Die verbleibenden sportliche Nutzungen können/sollen auf mehrere vorhandene Sporthallen verteilt werden.
Die VHS kann ebenfalls weitere innerstädtische Räume nutzen (z.B. in der Schiller-Schule).
Die private Yoga-Schule wird private Räume anmieten müssen.


3. Siebold Museum:
Die Verlegung des Siebold Museums in die Innenstadt war im Gespräch. Halten Sie dies für sinnvoll ?
Und was könnten geeignete Räume sein ?

Für das Siebold-Museum kann ich mir eine neue Lösung im Rahmen der Planungen zur Neukonzeption des Mainfränkischen Museums vorstellen. Eine neu zu entwickelnde Stadtgeschichtliche Abteilung (Stadtmuseum o.ä.) müsste m.E. die jüngere Geschichte Würzburg ab etwa 1850 bis 2000 präsentieren. So könnte das Siebold-Museum ggf. dort integriert werden. Dies setzt jedoch die Zustimmung der Siebold-Gesellschaft voraus und müsste Perspektiven hinsichtlich der räumlichen Unterbringung bieten. U.U. kann dies auch im innerstädtischen Bereich (Stichwort Mozart-Areal)  dargestellt werden, dies ist jedoch noch zu früh und zu vage, um dies derzeit konkretisieren zu können. Auch bleibt die Entwicklung am Bürgerbräu-Areal abzuwarten. Ohne sinnvolle Nachnutzung für die Villa wäre ein Auszug auch ein Risiko für die weitere Entwicklung an diesem Ort.

4. Alter Hafen:

a. Wie kann der freie Platz vor dem Museum im Kulturspeicher belebt werden ?

Der freie Platz kann durch Gliederungen, mehr Grün, künstlerische Interventionen/Installationen oder auch durch eine mobile Bar (vgl. Bar Felicia auf dem Felix-Freudenberger-Platz am Mainkai) neu gestaltet werden. Er ist aber in seiner Wirkung auch abhängig von der Verkehrsentwicklung an der Veitshöchheimer Strasse. Eine Verkehrsberuhigung ggf. durch Wegfall einer Spur (stadtauswärts)  und eine Sanierung und Nutzung der Frankenhalle würde ebenfalls zu einer Belebung des Quartiers und damit auch des Vorplatzes beitragen.

b. Wie kann eine bessere Anbindung des Museums im Kulturspeicher an die Innenstadt erreicht werden ?

Wie in den letzten Jahren regelmäßig von allen Kulturschaffenden, dem Freundeskreis Kulturspeicher, dem Sammler Peter C. Ruppert und auch von mir gefordert und von der SPD beantragt (von CSU, WL und FDP aber immer wieder abgelehnt) ist der Ausbau eines Fuß- und Radweges von Alten Kranen zum Alten Hafen voran zu treiben und abzuschließen. Ein erster derzeit fertig gestellter Abschnitt ist nur ein erster Anfang, der mühsam erkämpft werden musste. Die verbesserte Anbindung ist auch durch eine Verkehrsberuhigung an der Veitshöchheimer Straße zu unterstützen (s.o.). Eine hilfreiche und konsequente Beschilderung würde die Erreichbarkeit zusätzlich unterstützen.

c. Zukunft Frankenhalle: Was passiert mit dem Gebäude, wenn es keine Theaterspielstätte wird ?

Die Frankenhalle ist ein denkmalgeschütztes Gebäude mit stützenfreier Dachkonstruktion aus Holz. Sie eignet sich damit hervorragend als ein Veranstaltungsort für Kultur. Eine ausschließliche Theaterspielstätte für das MFT war niemals geplant ( es sollte nur schwerpunktmäßig dort präsent und „Hausherr“ sein). So könnte die Frankenhalle neben dem Mainfranken Theater auch für das Theater Tanzspeicher, die Tanzszene insgesamt, das Theater Augenblick, sowie zahlreiche andere Kulturveranstalter (Bockshorn Theater, Festivals, aber auch Tagungen und kommerziell ausgerichtete Formate) genutzt werden. Eine in privater Trägerschaft, d.h. also rein gewerblich ausgerichtete und derzeit von einigen propagierte Nutzung weckt unrealistische Erwartungen. Eine schlanke und bescheidene Sanierung und Betriebsführung könnte jedoch eine kulturelle Nutzung bei niedrigem Zuschussbedarf ermöglichen.
 
II. KULTURFÖRDERUNG & VERWALTUNG

1. Sind Sie mit der derzeitigen städtischen Kulturförderung zufrieden? Was würden Sie ändern ?

In den letzten 7 Jahren hat sich die Kulturförderung der Stadt Würzburg quantitativ und qualitativ erheblich verändert. Ich denke, deutlich zum Positiven. Über viele Jahrzehnte gewachsene Strukturen lassen sich jedoch nicht in kurzer Zeit verändern. Ein Desiderat kommunaler Kulturpolitik bleibt deshalb weiterhin, das Verhältnis in der Kulturförderung zwischen den städtischen Kultureinrichtungen und den frei getragenen Institutionen, Initiativen und Vereinen insoweit zu verschieben, als dass der Anteil der freien Kulturförderung weiter überproportional wachsen muss. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der Kulturförderung für die sog. "freie Szene", die aber im wesentlich durch ehrenamtliches Engagement getragen wird  und der Kulturförderung für die sog. "freie Szene", die überwiegend von der Selbstausbeutung der professionell ausgebildeten Künstlerinnen und Künstler lebt, deren Existenzgrundlage ihr eigenes künstlerisches Tun ist, das aber oft nur in prekären Arbeitsverhältnissen erbracht wird und damit dauerhaft gefährdet ist und auf Dauer bei den Betroffenen zu Erschöpfung und Frustration führen kann und oftmals auch tatsächlich führt. Diese Unterschiede in der Förderungswürdigkeit deutlicher heraus zu arbeiten wäre mir ein vordringliches Anliegen, um den berechtigten Erwartungen und Hoffnungen der Künstlerinnen und Künstler besser gerecht werden zu können.

2. Wie stehen Sie zu der Idee, regelmäßig einen Wettbewerb in verschiedenen Kunstrichtungen (Musik, Bildende Kunst, Literatur usw.) auszuschreiben? Das könnte die Projektförderung des Kulturreferats ergänzen. Preisgelder von 1.000 bis 5.000,- könnten hier schon Impulse setzen.

Die Idee der Wettbewerbe hat durchaus ihren Reiz. Sie ist jedoch in Relation zu den genannten Beträgen im Hinblick auf den damit verbundenen organisatorischen Aufwand zu hinterfragen. Künstlerwettbewerbe für große Projekte im Bereich der Bildenden Kunst wären insbesondere für Arbeiten im öffentlichen Raum wünschenswert, erfordern aber qualifizierte Verfahren (Jury, Anonymisierung, Preisgelder für nicht realisierte Werke  etc.).

3. Musiker aus Pop & Klassik fordern Mindestgagen. Sollten die Stadt und die Parteien nicht mit gutem Beispiel vorangehen, und in einer Selbstverpflichtung die Zahlung von Mindestgagen für Ihren Geltungsbereich beschließen ?

Die Frage ist unklar im Hinblick auf die genannten Zielgruppen. Künstlergagen sind je nach Sparten extrem unterschiedlich und weichen auch innerhalb der Sparten sehr voneinander ab. Ein Mindestlohn ist theoretisch wünschenswert (s.o. zum Stichwort Selbstausbeutung), aber in der Praxis kaum zu verwirklichen. Im übrigen werden Ausstellungshonorare insbesondere auch für Künstler der Bildenden Kunst gefordert. Die unbefriedigende Situation kann deshalb nicht allein auf Musiker beschränkt werden.

III. KULTURRÄUME


1. Mit Schliessung von Otto Richter Halle, der Greisinghäuser, der Verlagerung der Stadt.Galerie gibt es nur noch zwei wesentliche Ausstellungsmöglichkeiten. Ist das ausreichend ? Wo und wie könnte Neues geschaffen werden ?

Die Ausstellungsräume in der Stadt sind leider nicht ausreichend. Ich rege an, die Sporthalle an der Mozartschule künftig wieder für Ausstellungen nutzbar zu machen.

2. Wo können in Würzburg günstige Proberäume für Bands, Ateliers und Kreativwirtschaftsbüros entstehen ?

Proberäume sollen günstig zu mieten sein und sie sollen den Anforderungen des Lärmschutzes für Nachbarn genügen. Daher sind diese insbesondere in Randbereichen bzw. in Gewerbegebieten zu suchen. Diese liegen in der Regel nicht auf städtischem Grund. Es wird zu prüfen sein, ob dennoch im Rahmen der weiteren Entwicklungen in der Faulenberg-Kaserne oder auch am Wöllrieder Hof neue Perspektiven auch für diese Anliegen entstehen können. Auch sollen möglicherweise erhaltenswerte Gebäude am Hubland auf diese Möglichkeiten geprüft werden.


3. Was würden Sie unternehmen, um jungen Musikern bzw. Bands in der Stadt mehr und bessere Auftrittsmöglichkeiten bekommen ?

Ich würde mich darum bemühen in Gesprächen mit den für Musik geeigneten Clubs, Kneipen und Lokalen, das Interesse, die Bereitschaft und die Unterstützung für Live-Konzerte zu erhöhen. Ggf. kann ein kleines Förderprogramm dieses Engagement befördern.


IV. PERSÖNLICHES


1. Was ist Ihr größtes kulturelles Anliege/Ihre persönliche kulturelle „Baustelle“ ?

Für die Entwicklung der Kulturstadt Würzburg wird in den kommenden Jahren die Entwicklung am Alten Hafen, auf der Festung, auf dem Mozart-Areal und im Bürgerbräu-Gelände von zentraler Bedeutung sein. Die Theater-Sanierung, obwohl "nur" eine Sanierung ist von großer Bedeutung.
 

2. An dieses Konzert, diese Ausstellung, diese Veranstaltung erinnern Sie sich besonders gern ?

- keine Antwort -


3. Was ist für Sie in Würzburg kulturell unverzichtbar ?

Neugier, Mut, Innovations- und Risikobereitschaft, Experimentierfreude.