Wolfgang Baumann, ZfW

Wolfgang Baumann, ZfW

I. LIEGENSCHAFTEN & PROJEKTE

1. Mainfrankentheater:

Halten Sie folgendes Gedankenspiel für Unsinn oder für bedenkenswert ?
Neubau des Stadttheaters für 60 Mio auf dem Faulhaberplatz (mit höherer staatlicher Förderung als bei Sanierung), (Teil)erhalt Mozartschule, Abriss des „alten“ Theaters nach erfolgtem Neubau (Übergangsspielstätte = „altes“ Theater), dort dann evtl. Errichtung eines Einkaufszentrums ?

Ich halte Ihr Gedankenspiel hinsichtlich des Neubaus des Stadttheaters auf dem Faulhaber-Platz nicht für unsinnig, weil ich schon selbst darüber nachgedacht habe, ob dies eine Alternative sein könnte. Ich befürchte nur, dass es bei den 60 Millionen beim Neubau nicht bleiben wird und auch der Faulhaber-Platz vom Platzangebot her nicht ausreichen würde, ohne dass man die Mozartschule abreißt.

2. Mozart Areal:
a. Alle plädieren derzeit für einen Teilerhalt des Mozartareals.
Welche Teile sollen erhalten werden und welche Nutzung favorisieren Sie ?

Ich plädiere für den möglichst vollständigen Erhalt der alten Mozartschule. Als OB-Kandidat möchte ich in der Mozartschule ein zeitgeschichtliches Museum, eventuell auch ein Weltkulturerbe-Museum und ein Haus „Eine Welt der Völker“ in Anknüpfung an das Afrika-Festival einrichten. Darüber hinaus sollten Proberäume für Musiker, Ausstellungsräume für Wechsel-ausstellungen und andere kulturelle Nutzungen angedacht werden. Letztendlich wird es von einem Gesamtkonzept abhängen, welche Gelder hierfür generiert werden können.

b. Das Gebäude der ehem. Mozartschule wird voll genutzt. Wie und wohin kann man diese Nutzung auslagern?

Die Nutzer des ehemaligen Mozartschulgebäudes, zwei Gymnasien mit ausgelagerten Schulklassen und viele Kultureinrichtungen haben derzeit keine Ausweichmöglichkeit. Allein das Zentralkino soll an den Stadtrand verlagert werden, womit man offensichtlich einverstanden ist.

3. Siebold Museum:
Die Verlegung des Siebold Museums in die Innenstadt war im Gespräch. Halten Sie dies für sinnvoll ?
Und was könnten geeignete Räume sein ?

Die Verlegung des Sieboldmuseums ist aufgrund des Nutzungskonzepts für das ehemalige Bürgerbräuareal offensichtlich notwendig. Für das Sieboldmuseum wäre es sicherlich eine verbesserte Situation, in der Innenstadt etabliert zu sein. Eine Anbindung des Museums an das Mozartareal hätte ohne Zweifel Charme. Auch eine Unterbringung auf der Veste Marienberg käme in Betracht.

4. Alter Hafen:

a. Wie kann der freie Platz vor dem Museum im Kulturspeicher belebt werden ?

Der Platz vor dem Museum im Kulturspeicher könnte durch die Einrichtung einer wechselnden Skulpturenausstellung belebt werden

b. Wie kann eine bessere Anbindung des Museums im Kulturspeicher an die Innenstadt erreicht werden ?

Eine bessere Anbindung des Museums im Kulturspeicher an die Innenstadt kann durch eine Tourist-Line erreicht werden, die von der Stadt initiiert wird.

c. Zukunft Frankenhalle: Was passiert mit dem Gebäude, wenn es keine Theaterspielstätte wird ?

Über die Sanierung der denkmalgeschützten Frankenhalle und deren Nutzungskonzept muss neu entschieden werden. Die Frankenhalle ist ein schwer verzichtbares Teilstück des Kulturquartiers am alten Hafen.
Neben dem Kulturspeicher mit der städtischen Gemäldesammlung, der Kabarettbühne „Bockshorn“, dem Tanzspeicher und der Ausstellung des Berufsverbands der Bildenden Künstler (BBK), dem Cinemaxx und dem „Zauberberg“ könnte eine dauerhafte Spielstätte für kleinere Ensembles der „freien Szene“ oder andere Veranstalter mittelgroßer Events entstehen. Um ein privates Nutzerkonsortium sollte sich die Stadtverwaltung schon heute bemühen. Es ist dann zu prüfen, ob die Frankenhalle als Ausweichmöglichkeit  für das Mainfrankentheater während der Sanierung des Theatergebäudes geeignet ist und welche Voraussetzungen bei der Frankenhalle vorliegen müssen. Nach einer Sanierung der Frankenhalle könnte diese vom Stadttheater angemietet werden.
Es ist auch zu prüfen, ob vom Stadttheater an anderer Stelle angemietete Übungsräume in die Frankenhalle verlegt werden können. Welches Konzept sinnvoll ist, kann – unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten - seriös erst gesagt werden, wenn die Alternativkonzepte vorliegen. Dann kann auch erst über eine Übergangsbespielung der Frankenhalle befunden werden.

II. KULTURFÖRDERUNG & VERWALTUNG

1. Sind Sie mit der derzeitigen städtischen Kulturförderung zufrieden? Was würden Sie ändern ?

Die städtische Kulturförderung kann einen nicht in jeder Hinsicht zufrieden stellen. Die Umsetzung der in den Kulturförderrichtlinien der Stadt Würzburg von 2013 aufgeführten Maßnahmen zur institutionellen Förderung, Projekt- und Impulsförderung, der Einzelkünstler- und Nachwuchsförderung etc. muss zeitnah und verstärkt erfolgen.

2. Wie stehen Sie zu der Idee, regelmäßig einen Wettbewerb in verschiedenen Kunstrichtungen (Musik, Bildende Kunst, Literatur usw.) auszuschreiben? Das könnte die Projektförderung des Kulturreferats ergänzen. Preisgelder von 1.000 bis 5.000,- könnten hier schon Impulse setzen.

Die Idee eines Wettbewerbs für bildende Kunst, Tanz und Literatur, etc. sehr gut, weil dadurch die Projektförderung des Kulturreferates ergänzt werden kann und mit relativ geringen Preisgeldern erhebliche Impulse gesetzt werden können. Bei der Musik müsste differenziert werden; hier könnte eventuell in Abstimmung mit bestehenden Einrichtungen und Preisen ein erheblicher überregionaler Effekt erzielt werden. Das gilt auch im Zusammenhang mit dem Mozartfest.

3. Musiker aus Pop & Klassik fordern Mindestgagen. Sollten die Stadt und die Parteien nicht mit gutem Beispiel vorangehen, und in einer Selbstverpflichtung die Zahlung von Mindestgagen für Ihren Geltungsbereich beschließen ?

Für Musiker aus Pop und Klassik kann die Stadt schlecht eine Mindestgage versprechen. Aus unserer Sicht wäre dies weder qualitätsfördernd noch innovativ, da Gruppen und Musiker nicht eingeladen werden, die wegen ihres geringen Bekanntheitsgrad normalerweise nur gegen Aufwandsentschädigung beauftragt würden. Damit würde die Hürde für ein Erstengagement höher gelegt.
 
III. KULTURRÄUME


1. Mit Schliessung von Otto Richter Halle, der Greisinghäuser, der Verlagerung der Stadt.Galerie gibt es nur noch zwei wesentliche Ausstellungsmöglichkeiten. Ist das ausreichend ? Wo und wie könnte Neues geschaffen werden ?

Es ist völlig unzureichend, wenn in der Stadt Würzburg nur noch zwei wesentliche Ausstellungsmöglichkeiten bestehen. Es wäre zu prüfen, ob Ausstellungsmöglichkeiten im Mozartareal geschaffen werden könnten.

2. Wo können in Würzburg günstige Proberäume für Bands, Ateliers und Kreativwirtschaftsbüros entstehen ?

Proberäume für Bands, Ateliers und Kreativwirtschaftsbüros könnten im Bürgerbräu entstehen, aber auch im MOZ.

3. Was würden Sie unternehmen, um jungen Musikern bzw. Bands in der Stadt mehr und bessere Auftrittsmöglichkeiten bekommen ?

Damit junge Musiker bzw. Bands bessere Auftrittsmöglichkeiten bekommen, muss die Stadt ein Forum zur Verfügung stellen, mit dem – auch überregional – Werbung gemacht wird. Auch kämen Wettbewerbe in Betracht, die Rundfunk, Fernsehen und Presse anziehen könnten.

IV. PERSÖNLICHES


1. Was ist Ihr größtes kulturelles Anliege/Ihre persönliche kulturelle „Baustelle“ ?

Meine persönliche „kulturelle Baustelle“ ist die Sanierung des Mainfrankentheaters: Hier müssen auch die gesellschaftlichen Kräfte gebündelt werden, damit ein Privatsponsoring möglich wird. Vermieden werden muss eine Diskussion über die Aufrechterhaltung der Dreispartentheaters, ausgelöst durch eine eventuelle Baufälligkeit des mehr und mehr sanierungsbedürftigen Theaters ohne Ausweichmöglichkeit

2. An dieses Konzert, diese Ausstellung, diese Veranstaltung erinnern Sie sich besonders gern ?

Ich erinnere mich auch heute noch gerne an die Inszenierung der Oper Turandot im Mainfrankentheater und das Konzert der Würzburger Philharmoniker in der Berliner Philharmonie 2008, jeweils dirigiert von Generalmusikdirektor Jing Wang.


3. Was ist für Sie in Würzburg kulturell unverzichtbar ?

Das kulturelle Leben in Würzburg ist vielfältig; insoweit ist eigentlich jede Facette unverzichtbar.