Matthias PIlz, Grüne

Matthias PIlz, Grüne

I. LIEGENSCHAFTEN & PROJEKTE

1. Mainfrankentheater:

Halten Sie folgendes Gedankenspiel für Unsinn oder für bedenkenswert ?
Neubau des Stadttheaters für 60 Mio auf dem Faulhaberplatz (mit höherer staatlicher Förderung als bei Sanierung), (Teil)erhalt Mozartschule, Abriss des „alten“ Theaters nach erfolgtem Neubau (Übergangsspielstätte = „altes“ Theater), dort dann evtl. Errichtung eines Einkaufszentrums ?

Die Idee führt nicht weiter. Es fängt damit an, dass die Baukosten doch deutlich höher als bei einer Sanierung sind. Und dann wird die Frage des Theaterbaus, die für sich alleine schon kompliziert genug ist, noch mit zwei anderen hochkomplizierten Fragen verbunden, nämlich der Suche nach einem Einzelhandelsinvestor (der Standort wird übrigens bestimmt nicht besser dadurch, dass er von der Innenstadt noch durch eine weitere Kreuzung getrennt ist) und dem Umgang mit dem Denkmalschutz auf dem Mozartareal.

2. Mozart Areal:
a. Alle plädieren derzeit für einen Teilerhalt des Mozartareals.
Welche Teile sollen erhalten werden und welche Nutzung favorisieren Sie ?

Seit der Auseinandersetzung um die mfi-Arcaden im Bürgerentscheid 2006  unterstützen wir die Ansiedlung eines Einzelhandelsschwerpunktes am Kardinal-Faulhaber-Platz und am Mozartareal. Dieser Schwerpunkt muss so beschaffen sein, dass er der Innenstadt insgesamt nutzt und gegenseitigen Austausch bewirkt. Ein solcher Schwerpunkt wäre auch ein Bollwerk gegen eine etwaige Neuauflage von Plänen des Eigentümers mfi, in den Posthallen neben dem Hauptbahnhof ein in sich geschlossenes Einkaufszentrum zu errichten. Ein solches Zentrum lehnen wir ab. Als "künstliches, verkleinertes Abbild einer Innenstadt" an einem nicht integrierten Standort wäre es eine reine Konkurrenz zum Bestand ohne positive Auswirkungen auf den Rest der Innenstadt. Die Ausschreibung im Investorenwettbewerb macht deutlich, dass ein offenes Konzept gefordert ist. Wir arbeiten daran, dass die Pläne der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen.
Ich "fordere" nicht den Teilerhalt! Ich würde mich allerdings einem Teilerhalt nicht verschließen, wenn der Teilerhalt der Realisierung des Vorhabens insgesamt dient. Dazu bräuchte es eine überzeugende Mehrheit für einen solchen Kompromiss und ein sinnvolles Nutzungskonzept sowohl für das dann verkleinerte Einzelhandelsprojekt wie für den zu erhaltenden Teil der ehemaligen Schule an der Hofstraße, dass auch wirtschaftlich für die Stadt tragfähig ist.


b. Das Gebäude der ehem. Mozartschule wird voll genutzt. Wie und wohin kann man diese Nutzung auslagern?

Alle Mieter haben sich auf kurzfristige Mietverträge eingelassen; die Neubauplanungen sind den Mietern seit langem bekannt. Derzeit wird der Umzug des Kino Central aufs Bürgerbräugelände geplant, so wie die Kino-Genossenschaft es wünscht. Das Siebold-Gymnasium erhält die benötigten neuen Räume direkt bei seinem Schulgebäude und würde letztlich profitieren.

3. Siebold Museum:
Die Verlegung des Siebold Museums in die Innenstadt war im Gespräch. Halten Sie dies für sinnvoll ?
Und was könnten geeignete Räume sein ?

Für das Sieboldmuseum muss eine Lösung gemeinsam mit Familie Klein-Langner gefunden werden. Der jetzige Standort wird durch die neuen Nutzungen auf dem Bürgerbräuareal aufgewertet. Ich sehe derzeit auch nicht, wie eine Verlagerung in die Innenstadt gestemmt werden könnte.

4. Alter Hafen:

a. Wie kann der freie Platz vor dem Museum im Kulturspeicher belebt werden ?

Der Vorplatz muss ansprechender gestaltet werden, mehr Grün, mehr Aufenthalts¬qualität; Outdoor-Veranstaltungen, Einbeziehung in Ausstellungskonzepte.

b. Wie kann eine bessere Anbindung des Museums im Kulturspeicher an die Innenstadt erreicht werden ?

Die Innenstadt ist in wenigen Minuten fußläufig erreichbar, mittelfristig muss ein Rückbau der Veitshöchheimer Straße erfolgen.
Zitat aus dem Grünen Kommunalwahlprogramm 2014 (S. 50):
Die Kulturmeile („KulturQuartier“) am Alten Hafen
Kultur muss erreichbar sein. Mit dem Ausbau des Kulturspeichers und der Einrichtung einer Hafenbühne entwickelte sich ein neuer Stadtbaustein: ein Kunst-, Kultur- und Kreativzentrum mit vielfältigen Nutzungen in attraktiver Lage am Wasser. Allerdings ist dieses Kunst- und Kulturzentrum schwer zugänglich, es wirkt abgeschnitten von der Innenstadt. Eine großzügig angelegte, durchgängige Uferpromenade auf der Achse Alter Hafen – Alte Mainbrücke fehlt. Die im Oktober 2012 vom Stadtrat verabschiedete Wegeplanung ist nur ein Kompromiss: Es wird in den Uferbereich eingegriffen, und es bleiben noch viel zu viele Autoparkplätze und obendrein die sperrige Schrankenkonstruktion erhalten. Wir sehen hier eine vertane Chance an einem Flussufer, eine Platz- und Bewegungseinschränkung für radelnde, promenierende Menschen sowie Erholung suchende Kongressbesucher und Schifffahrtstouristen. Dennoch stellt die Planung eine Verbesserung gegenüber dem alten Zustand dar.
•    Sollte dieses Kultur- und Kreativzentrum noch durch eine Kultur- und Veranstaltungsstätte in einer sanierten Frankenhalle bereichert werden, müsste dringend die Neugestaltung und der Rückbau der Veitshöchheimer Straße geplant und umgesetzt werden.
•    Infopunkte am Beginn der Kulturmeile sollen auf das vielfältige Angebot in diesem Quartier eindeutig hinweisen.
•    Am Anfang und Ende der Kulturmeile stehen zwei Skulpturen. Weitere Kunstwerke sollen folgen, damit der Skulpturenweg seinen Namen verdient.
•    Auf das Museum im Kulturspeicher muss auch von der Wasserseite her aufmerksam gemacht werden – als Anziehungspunkt für die vielen Schiffstouristen, die im Alten Hafen an Land gehen.


c. Zukunft Frankenhalle: Was passiert mit dem Gebäude, wenn es keine Theaterspielstätte wird ?

Mich hat die Planung überzeugt, die Frankenhalle im Kulturquartier Alter Hafen als Übergangsspielstätte des Theaters und als dauerhafte Veranstaltungsstätte für vielfältige Angebote zu entwickeln. Hiervon ist die CSU wieder abgerückt. Damit ist eine sinnvolle Nutzung der Frankenhalle in weite Ferne gerückt, zumal langjährige Vermarktungsversuche erfolglos blieben.
Im Interesse der Mehrheitsfindung für eine dringend erforderlichen Theatersanierung werde ich eine auf das Haupthaus beschränkte Lösung mittragen, wenn im Theatergebäude statt der bisherigen Kammerspiele eine zweite Spielstätte in einer Größenordnung von 200-300 Plätzen errichtet werden kann und zugleich eine überzeugende Lösung für die umbaubedingte Schließung des Großen Hauses gefunden wird. Ich halte es aber noch nicht für gesichert, dass das wirklich möglich und wirtschaftlich günstiger als der Ausbau der Frankenhalle ist. Gegebenenfalls sollte ein zweiter Anlauf für das bereits weit entwickelte Frankenhallen-Projekt unternommen werden.

II. KULTURFÖRDERUNG & VERWALTUNG

1. Sind Sie mit der derzeitigen städtischen Kulturförderung zufrieden? Was würden Sie ändern ?

Mit der nach vielen Gesprächen beschlossenen neuen städtischen Kulturförderung im Großen und Ganzen zufrieden, die Mittel werden gerecht verteilt und geben den Kulturschaffenden Planungssicherheit. Die Fördersumme ist zuverlässig den steigenden Kosten anzupassen. Über verbesserte Möglichkeiten zur Förderung einzelner Projekte sollte nachgedacht werden.

2. Wie stehen Sie zu der Idee, regelmäßig einen Wettbewerb in verschiedenen Kunstrichtungen (Musik, Bildende Kunst, Literatur usw.) auszuschreiben? Das könnte die Projektförderung des Kulturreferats ergänzen. Preisgelder von 1.000 bis 5.000,- könnten hier schon Impulse setzen.

Die Idee gefällt mir.

3. Musiker aus Pop & Klassik fordern Mindestgagen. Sollten die Stadt und die Parteien nicht mit gutem Beispiel vorangehen, und in einer Selbstverpflichtung die Zahlung von Mindestgagen für Ihren Geltungsbereich beschließen ?

Sofern sich die Frage auf berufsmäßige Künstler bezieht: ja, die Künstler müssen angemessen vergütet werden.

III. KULTURRÄUME


1. Mit Schliessung von Otto Richter Halle, der Greisinghäuser, der Verlagerung der Stadt.Galerie gibt es nur noch zwei wesentliche Ausstellungsmöglichkeiten. Ist das ausreichend ? Wo und wie könnte Neues geschaffen werden ?

Wir wollen gemeinsam nach Ausstellungs- und Proberaum-Möglichkeiten suchen, wie Faulenbergkaserne, Leighton-Areal, Frankenhalle, Bürgerbräugelände.

2. Wo können in Würzburg günstige Proberäume für Bands, Ateliers und Kreativwirtschaftsbüros entstehen ?

s.o.

3. Was würden Sie unternehmen, um jungen Musikern bzw. Bands in der Stadt mehr und bessere Auftrittsmöglichkeiten bekommen ?

Das StraMu konsequent fördern; Engagements auch unbekannter Gruppen bei politischen Veranstaltungen der Parteien und der Stadt selbst. 

IV. PERSÖNLICHES


1. Was ist Ihr größtes kulturelles Anliege/Ihre persönliche kulturelle „Baustelle“ ?

Die größte Baustelle habe ich als Mitglied  der "Steuerungsgruppe Theatersanierung". Es gilt, den Spagat hinzukriegen zwischen zukunftsfester technischer Ausstattung des Mainfrankentheaters als Dreispartentheater und dem wirtschaftlich Machbaren - mein Ziel ist, die Sanierungskosten deutlich unter die vom Architekten angemeldeten 40 Millionen Euro zu drücken.

2. An dieses Konzert, diese Ausstellung, diese Veranstaltung erinnern Sie sich besonders gern ?

Mein absoluter Favorit ist das Straßenmusikfestival - spontan, direkter Kontakt zum Publikum -. und der Besuch steht allen offen!

3. Was ist für Sie in Würzburg kulturell unverzichtbar ?

Für mich persönlich darüber hinaus das Africa-Festival -
und politisch betrachtet die Vielfalt des kulturellen Angebots, damit jede und jeder, unabhängig von Alter, Herkunft, Geldbeutel und kulturellen Vorlieben Angebote findet, die Kopf und Sinne ansprechen - und im Idealfall zu eigener kultureller Betätigung anregen.