Wigbert Baumann, Die Linke

Wigbert Baumann, Die Linke

I. LIEGENSCHAFTEN & PROJEKTE

1. Mainfrankentheater:

Halten Sie folgendes Gedankenspiel für Unsinn oder für bedenkenswert ?
Neubau des Stadttheaters für 60 Mio auf dem Faulhaberplatz (mit höherer staatlicher Förderung als bei Sanierung), (Teil)erhalt Mozartschule, Abriss des „alten“ Theaters nach erfolgtem Neubau (Übergangsspielstätte = „altes“ Theater), dort dann evtl. Errichtung eines Einkaufszentrums ?

Der Kardinal-Faulhaber-Platz ist von der zur Verfügung stehenden Fläche zu klein. Er kann daher das notwendige Gebäude eines Neubaus des Mainfrankentheaters nicht aufnehmen. Von daher bleibt das Gedankenspiel ein Gedankenspiel. Ebenso skeptisch stehe ich der derzeit angedachten Idee dem alten Bau des Mainfrankentheaters anstelle des Foyers eine mittelgroße Spielstätte „aufzupfropfen“ mit Überbauung des Vorplatzes gegenüber.

Ein Einkaufszentrum an der Stelle des derzeitigen Theaters wäre nur die schlechteste Wahl . Laut eines dem Stadtrat vorliegenden Gutachtens ist die Bebauung des Kardinal-Faulhaber-Platzes mit einem Einkaufszentrum nur die drittbeste Lösung in der Innenstadt mit ihren Entwicklungsachsen.

2. Mozart Areal:
a. Alle plädieren derzeit für einen Teilerhalt des Mozartareals.
Welche Teile sollen erhalten werden und welche Nutzung favorisieren Sie ?

Teilerhalt bei der Mozartschule bedeutet Ensemble-Erhalt des ersten Bauabschnitts für eine intelligente Mischnutzung mit Tourist-Information, Gastronomie, Museum für neuere Stadtgeschichte (ab 1803), VHS-Kurse u.ä.. Prinzipiell geht es um „Kultur ins Zentrum“, eine interkulturelle Begegnungsstätte und den Erhalt eines bedeutenden Baudenkmals der Würzburger Nachkriegsmoderne.

Eine sehr interessante Variante der Neunutzung des Mozartareals könnten Begegnungstätte, Hotel- und Wohnnutzung für Asylbewerber nach dem Modell des Augsburger „Grandhotel Cosmopolis“ sein.

Die Abrisspläne müssen politisch vom Tisch genommen werden, damit ein anderes Konzept zum Mozartareal mit Bürgerbeteiligung und Ideenwerkstätten entwickelt werden kann.

b. Das Gebäude der ehem. Mozartschule wird voll genutzt. Wie und wohin kann man diese Nutzung auslagern?

Für die ausgelagerten Schulklassen von Siebold- und Riemenschneider-Gymnasium muss Raum auf dem Gelände der Schule neu gebaut werden, damit das Provisorium „Mozartschule“ aufgelöst werden kann. Private Nutzung gilt es zu überdenken und mit einem noch zu erstellenden Konzept abzustimmen.

3. Siebold Museum:
Die Verlegung des Siebold Museums in die Innenstadt war im Gespräch. Halten Sie dies für sinnvoll ?
Und was könnten geeignete Räume sein ?

Im Rahmen der Veränderungen im Bürger-Bräu-Gelände wird derzeit der Standort des Siebold-Museums aufgewertet. Untergebracht in der alten Villa hat es auch eine kulturelle „Ankerfunktion“ für das Areal mit seinen geplanten neuen Nutzungen. Sollte das Kino „Central“ sich auf den Weg zum Bürger-Bräu-Gelände machen, ergibt sich ein weiterer „Kulturschwerpunkt“ mit Aufenthaltsqualität in der westlichen Zellerau. Eine Verlagerung des Siebold-Museums wäre von daher zu bedauern.

4. Alter Hafen:

a. Wie kann der freie Platz vor dem Museum im Kulturspeicher belebt werden ?

Derzeit ist der Platz durchaus „betonsteril“, und lädt ganz und gar nicht zum Verweilen ein. Bäume oder Grün ist bei der Planung komplett ausgeklammert worden, was zu ändern ist. Sitzgelegenheiten, mehr Veranstaltungen, „mobile“ Gastronomie mit Qualitätsanspruch könnte einen Kahlen Platz zu einem „Forum“ aufwerten.


b. Wie kann eine bessere Anbindung des Museums im Kulturspeicher an die Innenstadt erreicht werden ?

Die uralte Forderung nach einer Fuß- und Radverbindung, abseits der Veitshöchheimer Straße zum Alten Hafen gehört endlich konsequent umgesetzt, damit schon der Spaziergang vom Parkplatz zum Kulturspeicher zum Vergnügen wird. Die Veitshöchheimer Straße kann ebenso in Teilen zurückgebaut werden, da das Teilstück für den anfallenden Autoverkehr überdimensioniert ist.

c. Zukunft Frankenhalle: Was passiert mit dem Gebäude, wenn es keine Theaterspielstätte wird ?

Die alte „Vieh-Auktionshalle“ mit der einzigartigen Dacharchitektur, hat das Zeug, die „besondere“ Veranstaltungshalle in Würzburg zu werden. Eine neue Nutzung ist immer im Kontext der Nachbarschaft  von Bockshorn, Tanzspeicher, Posthalle, Congresszentrum und Kulturspeicher zu sehen. Eine Bühne Frankenhalle als Theaterspielstätte, auch zeitweise für das Mainfrankentheater oder Musical-Inszenierungen, sollte weiter mitgedacht werden, vor allem in Hinblick auf neue Zuschauerkreise auf der „Kulturmeile“ äußere Pleich.
 
II. KULTURFÖRDERUNG & VERWALTUNG

1. Sind Sie mit der derzeitigen städtischen Kulturförderung zufrieden? Was würden Sie ändern ?

Ohne mich bislang in Einzelheiten vertieft zu haben, gehe ich aber davon aus, dass im Kontrast zur „etablierten“ Kultur freie Initiativen und Kulturschaffende besser von der öffentlichen Hand gefördert werden können und müssen.

2. Wie stehen Sie zu der Idee, regelmäßig einen Wettbewerb in verschiedenen Kunstrichtungen (Musik, Bildende Kunst, Literatur usw.) auszuschreiben? Das könnte die Projektförderung des Kulturreferats ergänzen. Preisgelder von 1.000 bis 5.000,- könnten hier schon Impulse setzen.

Gerne, ein gut durchdachtes Konzept kann hier Anreize zu kulturellem und künstlerischen Schaffen geben. Vielleicht lassen sich für solch einen Ansatz auch Sponsorengelder jenseits des „Stadtsäckels“ finden.

3. Musiker aus Pop & Klassik fordern Mindestgagen. Sollten die Stadt und die Parteien nicht mit gutem Beispiel vorangehen, und in einer Selbstverpflichtung die Zahlung von Mindestgagen für Ihren Geltungsbereich beschließen ?

Eine Form des „Mindestlohns“ in Form von Mindestgagen für Kunstschaffende hat seine Berechtigung. Es ist natürlich nicht ganz leicht zu definieren was der „Lohn der Kunst“ in Euro darstellt, aber eine Untergrenze gehört da eingezogen.
 
III. KULTURRÄUME


1. Mit Schliessung von Otto Richter Halle, der Greisinghäuser, der Verlagerung der Stadt.Galerie gibt es nur noch zwei wesentliche Ausstellungsmöglichkeiten. Ist das ausreichend ? Wo und wie könnte Neues geschaffen werden ?

„Mobile“ Container-Galerie auf dem Vorplatz des Kulturspeichers, Bürger-Bräu-Gelände, Stadtteilzenrum Hubland, Mozartareal bei Erhalt. Mehrere Ideen, die es im Dialog von z.B Dachverband mit der Stadt einzubringen und in Richtung Realisierung zu diskutieren gilt

2. Wo können in Würzburg günstige Proberäume für Bands, Ateliers und Kreativwirtschaftsbüros entstehen ?

Die Konversionsflächen der „Faulenberg-Kaserne“ oder im „Neuen Hubland“ bieten einiges an Möglichkeiten. Die Wünsche und Vorstellungen der „Szene“ sollten mit in die Planungen einbezogen werden.

3. Was würden Sie unternehmen, um jungen Musikern bzw. Bands in der Stadt mehr und bessere Auftrittsmöglichkeiten bekommen ?

Manches ist ja schon möglich in B-Hof, Cairo; Kellerperle, U&D und Stramu. Natürlich ist das Bessere der Feind des Guten, will sagen, dass da nach oben noch Luft ist.

IV. PERSÖNLICHES


1. Was ist Ihr größtes kulturelles Anliege/Ihre persönliche kulturelle „Baustelle“ ?

1. Realist: Ein Kultur-Pass Würzburg für gerechte Teilhabe von finanziell EinkommensArmen nach Frankfurter Vorbild „Kultur für Alle“.

2. Träumer: Ein „Grandhotel Cosmopolis“ in Würzburg im Mozartareal als Ort der Begegnung und des Austausches von Menschen aller Länder, Einheimischer wie Touristen, oder Franken und Flüchtlingen in einem „Bunten Würzburg“.

2. An dieses Konzert, diese Ausstellung, diese Veranstaltung erinnern Sie sich besonders gern ?

2013, die Aufführung der Kinderoper „Brundibar“ aus Theresienstadt von Mainfrankentheater und Dommusik im Dommuseum und die Gelegenheit die Zeitzeugen wie Greta Klingsberg zu treffen.



3. Was ist für Sie in Würzburg kulturell unverzichtbar ?

Da wären die „kleinen“ Theater, das U&D, das Africa-Festival,  das Stramu und die ganze freie Szene und die sonstigen „Perlen“ der Subkultur.
Das Mainfrankentheater mit „Großem Haus“ bleibt uns eh erhalten, die Frage ist nur was am Ende die Sanierung nach der Abrechnung kostet. Persönliche Kaffeesatzleserei und Hochrechnung: 65 Mio € werden's am Ende werden.