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OFFENER BRIEF ZUR FRANKENHALLE

15.11.2018

Offener Brief an

Herrn Oberbürgermeister Schuchardt,
die Damen und Herren Referenten,
die Damen und Herren Stadträte,
die Vertreter der Presse

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie heißt es so schön in der Ausschreibung der Stadt zum Areal Frankenhalle: „Gefragt sind innovative Konzepte, die dem Ziel nach einer Aufwertung des Kultur- und Kreativquartiers insgesamt Rechnung tragen, dessen Nutzungsspektrum ergänzen und stärken“.

Nach Sichtung der drei vorliegenden Konzepte tauchen Befürchtungen auf.

Befürchtungen, dass die Belange der Kulturszene nicht berücksichtigt werden.

Ja, natürlich kommt das Wörtchen Kultur in allen Konzepten vor. 
Aber häufig genug in der Möglichkeitsform „könnte, sollte“ - fehlt nur noch das aus der Politik so bekannte „muss geprüft werden“…
Wenn entweder irgendwo Büros ODER Kulturräume entstehen sollen, sagt das doch alles: 
Wirtschaftlicher sind Büros. 
Kulturräume werden kaum marktübliche Mieten erwirtschaften, sofern man sich nicht auf Büros gut betuchter Kreativschaffender beschränkt. Ohne eine gewisse Kompromissbereitschaft bei der Miete kann das nichts werden. 
Was also ist für einen Investor attraktiver ? 
Büro oder Kulturraum ? 
Eben.
Und am Ende - so unsere Befürchtung - hat sich dann halt niemand für den Kulturraum gefunden und der Investor ist „leider“ gezwungen, die Räume anderweitig zu nutzen.

Und was heißt eigentlich „Kulturraum“ ? 
Je nach Nutzung gibt es verschiedene Anforderung, die berücksichtigt werden müssen. 
Lärmschutz und ebenerdige Erreichbarkeit bei Proberäumen, Licht und Platz bei Ateliers etc.
Einfach nur ein paar Räume als „mögliche KulturRäume“ zu bezeichnen, langt nicht.

Und dann soll noch eine halbe Frankenhalle abends als Veranstaltungshalle genutzt werden. 
Klingt nicht sehr durchdacht. Es braucht Aufbau- und Probenzeit, es braucht Garderoben, Lagerräume etc. 
Und was soll dort stattfinden ? Rockkonzerte wie in der Posthalle, die es bald nicht mehr geben wird ? Wohl kaum, das dürfte schon vom Lärmschutz her kaum möglich sein. Oder Kabarettveranstaltungen - ach, nein, gegenüber ist ja das Bockshorn. Tagungen, Präsentation, ja, das ginge. Aber ob das noch unter Kultur fällt…

Auch die Anbindung an das bestehende Kulturquartier wurde in der Ausschreibung gefordert. 
Diese ist elementar, wenn sich die eine Seite der Veitshöchheimer Strasse mit der anderen Seite ergänzen soll.
Wie soll dies geschehen ? 
Ein Zebrastreifen über eine der meist befahrenen Strassen wird kaum funktionieren.

Liebe Stadträtinnen, liebe Stadträte,

Es gibt zu viele vage Absichtserklärungen in den Konzepten, es gibt zu viele offene Fragen.
Bitte haken Sie nach.
Denn nur ein Konzept mit klaren Aussagen (Höhe der Miete, Art der Nutzung, Lage und Größe der Räume, Praktikabilität der Konzepte) bietet die Chance, dass tatsächlich etwas Gutes für die Kulturszene Würzburgs und das Kulturquartier Alter Hafen entsteht.

Vorstand des Dachverbands
Ralf Duggen, Karan Braun, Antje Molz, Sandy Roesser