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Pressebericht Kultur-Räume2

12.05.2010

Mozartareal für Handel allein zu schade

Ulmer Stadtplaner Christin Guther sprach bei der Reihe „Kulturräume“
Gemeinsam haben die Städte Würzburg und Ulm, dass sie beide zum Ende des Zweiten Weltkriegs stark zerstört wurden und eine große Wiederaufbauleistung erbringen mussten.
Was sie unterscheidet ist, dass man in Ulm weit weniger Angst vor zeitgenössischer Architektur hat, wie der Ulmer Architekt und Stadtplaner Christian Guther bei einem Vortrag in der Aula der Mozartschule deutlich machte.

Guther war Gast der zweiten Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Kulturräume“, die der Dachverband Freier Würzburger Kulturträger (DFWK) ins Leben gerufen hat.

Er berichtete von einer „schier unendlichen Geschichte“ bis die „Neue Mitte“ in Ulm Gestalt annahm, die heute von prägnanten Bauten weltweit renommierter Architekten wie Richard Meier (USA), Gottfried Böhm und Stephan Braunfels geprägt ist.

80 Prozent der Ulmer Innestadt wurden im Dezember 1944 und im März 1945 zerstört. 1947 wurde mit dem Wiederaufbau der Altstadt mit dem weltberühmten Ulmer Münster als Mittelpunkt begonnen.

Zentral dabei war der Bau einer neuen Straße, die den Durchgangsverkehr aus den engen Altstadtgassen nehmen sollte. Schon bald zeigte sich, dass diese „Stadtautobahn“ eine trennende Schneise durch die Innenstadt schlug.

Also wurden Versuche unternommen, die Einheit der Altstadt wiederherzustellen. Es begann ein langwieriger Prozess mit insgesamt sieben städtebaulichen Wettbewerben. Zuerst entstand am Münsterplatz das „Stadthaus“ des amerikanischen Architekten Richard Meier – ein moderner ganz in Weiß gehaltener Bau, der als Veranstaltungs- und Informationszentrum dient.

„Nicht dringend erhaltenswert“
Architekt Christian Guther über die Mozartschule

Um weitere Räume zu schließen wurden über Wettbewerbe Stararchitekten wie Böhm und Braunfels ausgewählt. Böhm errichtete in der Altstadt eine große Glaspyramide, in der die Stadtbibliothek untergebracht ist. Braunfels realisierte einen spitzwinkligen Neubau für die Sparkasse sowie ein Kaufhaus.

Und dann hatte man auch noch das Glück, dass der Unternehmer und Kunstsammler Siegfried Weishaupt in diese Perlenkette noch ein Museum für seine Sammlung bauen ließ und selbst finanzierte.

Und am Rathaus entstand schließlich eine lichtdurchflutete neue Tiefgarage. Die Stadtautobahn wurde zurückgebaut, ohne dass der Verkehr ganz verdrängt wurde. „Heute bleiben hier – ganz ohne Ampeln – die Autos stehen, wenn Fußgänger über die Straße laufen“, berichte Guther über die Veränderung auch in den Köpfen.

Die modernen Gebäude seien bei der Ulmer Bevölkerung unumstritten, erzählte der Architekt. „Moderne Bausubstanz funktioniert neben Historischem, wenn sie gut ist“, lautet sein einfaches Erfolgsgeheimnis.

Und wie kam Ulm an die berühmten Baumeister der Moderne? Auch das ist ganz einfach: Man hat sie zu den Wettbewerben eingeladen, „denn wenn man Weltklasse will, darf man nicht die Planer aus der Kreisklasse einladen.“

Zur Mozartschule, die nicht ganz zufällig Schauplatz der Veranstaltung war, äußerte sich der Ulmer Architekt nur vorsichtig. Er erkannte „Qualität und Charme dieses Hauses“, das aber städtebaulich falsch sei.

Es gebe sehr viele Gebäude dieser Art, weshalb es „nicht dringend erhaltenswert“ sei. Aus der bestehenden Bausubstanz etwas anderes zu machen, sei allerdings aus seiner Sicht sehr schwierig, so Guther.
 
Das Schulgebäude nach heutigen Anforderungen instand zu setzen koste zwei Drittel eines Neubaus. Zusammen mit dem Faulhaber-Platz sei das Mozartareal ein „Goldstück“. Man dürfe es aber nicht einfach an Investoren „verscherbeln“ und diesen dann frei Hand lassen.
Vielmehr müsse die Stadt zuvor ein klares städtebauliches Ziel formulieren. Guthers Vorstellung: „Ich würde hier ein Ensemble bevorzugen, das nicht nur von Handel dominiert ist.“