Aktuelles

aus: Würzburg heute 84/2007 - Kultur

20.07.2007

DACHVERBAND FREIER WÜRZBURGER KULTURTRÄGER

von Ralf Duggen

Die 'freie' Kulturszene hat sich 1989 ein gemeinsames Sprachrohr geschaffen. Ein erster großer Erfolg war 1994 die Einrichtung des Kulturbeirates der Stadt.

Der Dachverband wurde nach langen Diskussionen 1989 im damaligen „Alten Peter“ gegründet. Die Namensgebung war das erste Stück Schwerarbeit, und vielen macht der Begriff "Kulturträger" bis heute Magenschmerzen. Eine Satzung wurde schließlich verabschiedet – und ist bis heute gültig –, sollte aber nicht zu einem eingeschriebenen Verein führen, weil alle vor kostspieligen Formalismen zurückschreckten und niemand an einem traditionellen Vereinsleben Interesse hatte.

Das erste wichtige Ereignis war 1994die Gründung eines Kulturbeirates der Stadt, wobei es gelang, die Beteiligung der freien Kultur und des Dachverbands solider zu verankern als alle erwartet hatten. Bis heute nehmen die Vertreter und Mitglieder des Dachverbands einen nicht unerheblichen Einfluss auf dieses Gremium.

Als zweites wichtiges Ereignis, erarbeitete der Journalist Wolfgang Jung im Auftrag der Dachverbandes nach mühevollen Recherchen einen Entwurf für die Förderrichtlinien der freien Kultur, die mit Modifikationen auch heute noch gültig sind.

Dass es nicht einfach ist, die divergierenden Interessen der Mitglieder zu bündeln und dass der Vorstand immer wieder in Konflikte verwickelt war, wird niemanden wundern, der das Künstlervölkchen kennt. Es gab turbulente Auseinandersetzungen und Austritte und, wie überall, einen Mangel an vorstandswilligen Mitgliedern. Nur wenige sind gerne bereit, das Interesse aller Mitglieder zu vertreten und nicht nur das eigene. Manche Einrichtung, die sich selber stark genug vorkam, kündigte ihre Mitgliedschaft wieder auf.

Grundsätzlich geht es dem DACHVERBAND darum, die Anliegen seiner Mitglieder zu artikulieren, diesen eine Plattform zur Artikulation ihrer Wünsche zu bieten und insbesondere bei der Stadt Würzburg ihre Interessen zum Ausdruck zu bringen. Das bedeutet nicht zuletzt, den finanziellen Bedürfnissen der freien Kultur der Politik gegenüber Nachdruck zu verschaffen. Letzteres wurde praktiziert, solange die Stadt einen nennenswerten finanzieller Spielraum hatte. An ein leeres Stadtsäckel Forderungen zu stellen, erschien später als wenig sinnvoll. So werden erst in diesem Herbst solche Erwartungen wieder vorgebracht, nachdem es der Stadtrat im letzten Jahr nach den langjährigen 5- und 10%-igen Kürzungen gerade mal geschafft hat, sage und schreibe 2,59 % wieder draufzusatteln.

Begleitet wurden diese Bemühungen von konzeptioneller Arbeit: der Dachverband hat sich in langen Diskussionen mit einigen interessierten  Fraktionen um ein neues Konzept für das Kulturreferat bemüht, das die personelle Unterbesetzung auffangen und einen neu zu schaffenden ‚Kulturmanager’-Posten installieren sollte. Im wesentlichen ist das seinerzeit bei einer Umbenennung geblieben: der bisherige Kulturamtsleiter heißt nun "Kulturmanager", und eine angemessene Ausstattung mit Personal ist unterblieben.

Neben der Interessenvertretung gegenüber Stadtverwaltung und Politik versteht der Dachverband seine Aufgabe auch als Gesprächspartner gegenüber der Presse. So gab es immer wieder Gesprächsrunden mit Vertretern der Mainpost über Stellenwert und Form der Kulturberichterstattung. Doch seitdem es eine Publikation gibt, die die in der Tagespresse vermißte Auseinandersetzung wenigstens in Ansätzen aufzunehmen versucht – die monatlich erscheinende nummer, deren 30. Heft im Oktober erschienen ist –, sind die Diskussionsforen für den Augenblick etwas in den Hintergrund getreten; das möchte der Verband aber gerne wieder ändern. Der im Frühjahr 2007 neu gewählte Vorstand hat mit dem Kulturreferenten Muchtar Al Ghusain schon ausführliche Gespräche geführt; die mit der Presse sollen rasch folgen.

Und notwendige tradierte Schwerpunkte gibt es weiterhin: so die leidige Frage um Plakatständer und Plakatierung, deren erschwingliche Benutzung für die freie Kultur essentiell ist. Erst auf Initiative des Dachverbandes hat die Stadt vor etlichen Jahren die sogenannten „blauen“ Dreiecksständer angeschafft, die primär für Veranstaltungen der freien Kulturszene zur Verfügung stehen. Von den geplanten und zugesagten 50 Ständern stehen bis heute allerdings erst 34 Stück.


Zahl der Zeichen: 3608


kleine Notiz: In einigen Punkten ist der obige Text veraltet.

Die personelle Ausstattung des Kulturreferats wurde deutlich verbessert.

Seit Oktober verstärkt Ole Kruse den Fachbereich als Fachabteilungsleiter Kultur, Johannes Engels ist der Kulturamtsleiter (formals mit dem unglücklichen Titel „Kulturmanager“ bedacht) und Muchtar Al Ghusain ist Schul-, Sport- und Kulturreferent.

Die vier Damen in der Verwaltung (Angelika Zacher, Renate Lagocki, Iris Eller, Caroline Schömig) werden seit kurzen wieder von Eva Schömig an drei Tagen verstärkt.